Wettbewerbsfähigkeit steigern durch optimierte Materialwirtschaft - IKZ 06/2008
Viele SHK-Betriebe kennen diese Situation: Ein Auftrag steht zur Bearbeitung an, zu dem verschiedene Materialien benötigt werden. Doch ein Blick ins Lager offenbart meist nur lückenhafte Materialbestände. Die Folge: Vor Auftragsbeginn steht zunächst eine Fahrt zum Lieferanten oder Großhändler an. Und nachdem die Arbeit aufgenommen wurde, wird nicht selten festgestellt, dass noch Materialien fehlen – gefolgt von einer weiteren Fahrt zum Händler. Diese Situation zum Anlass, ergab im Rahmen einer Unternehmensanalyse (in einem Handwerksbetrieb in NRW) einen produktiven Arbeitszeitverlust von rund 180 Stunden pro Jahr und Monteur – ein Verlust, den sich ein Betrieb nicht leisten muss. Der vorliegende Beitrag der zweiteiligen Artikelserie zeigt eine Methode zur Ermittlung der Ist- Situation auf und definiert notwendige Ziele zur effizienten Materialwirtschaft, während Teil 2 Maßnahmen zur betrieblichen Umsetzung beschreibt.
Teil 1: Ist-Situation analysieren, Ziele definieren
Autoren: Prof. Dr.-Ing. Henrik Passinger, Dipl.-Wirtsch.-Ing. Christina Siebert
Die Bedeutung der Materialwirtschaft (Materialeinsatz und Materialbewirtschaftung) in einem Unternehmen lässt sich aus der Höhe des Materialanteils an der Herstellung eines Erzeugnisses oder einer Dienstleistung ableiten und beeinflusst damit in ganz erheblichem Maße das Unternehmensergebnis.
Im Durchschnitt des produzierenden Gewerbes liegt der Anteil des Materials bei 54,2 %. Das bedeutet, dass von jedem Euro, den das Unternehmen erwirtschaftet, mehr als 50 % in die Materialwirtschaft fließt. Fokussiert man sich nun auf Unternehmen, die eine Dienstleistung im handwerklichen Bereich erbringen, so ist der materialwirtschaftliche Teil oftmals deutlich größer. Deshalb müssen gerade auch Handwerksunternehmen über eine effizient organisierte Materialwirtschaft verfügen, um am Markt wettbewerbsfähig zu sein.
Dabei spielt der Bereich der Vorratswirtschaft eine bedeutende Rolle. Im Durchschnitt sind 20 bis 30 % des Vermögens eines Unternehmens in den Vorräten gebunden. Gerade in kleinen Unternehmen, wo häufig nur eine sehr rudimentäre Übersicht über die Lagerbestände besteht, ist das gebundene Kapital in Bezug auf den jährlichen Umsatz meist intransparent und damit oftmals überdurchschnittlich hoch. Solche Ineffizienzen sind Anlass für Unternehmen, die Materialwirtschaft umfassend neu zu überdenken und durch den Einsatz moderner EDV-Systeme und veränderter Organisationsstrukturen zu optimieren.
Innerbetriebliche Optimierung – auch für Handwerksbetriebe?
Besonders bei klein- und mittelständischen Handwerks-unternehmen findet man oft eine Haltung, die den Nutzen einer innerbetrieblichen Optimierung als eher gering einschätzt. Zudem wird der geschätzte Aufwand, der bei solchen Optimierungen entsteht, als zu großes Risiko empfunden. Tatsache ist jedoch, dass die Wettbewerbssituation – insbesondere im Handwerk – ständig schärfer wird. Deshalb muss sich jedes Unternehmen nicht nur auf die Kunden und die Generierung von Aufträgen konzentrieren, sondern in gleichem Maße auch für eine wettbewerbsfähige innerbetriebliche Organisation sorgen. Ein Betrieb kann nur dann eine wettbewerbsfähige Leistung erbringen, wenn die für die Leistungserstellung notwendigen betrieblichen Ressourcen und das benötigte Material vorhanden und effizient bereitgestellt werden. In Handwerksunternehmen sieht der betriebliche Alltag aber oftmals ganz anders aus.
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